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Photo by Adi Goldstein on Unsplash

Aktionswoche der Schuldnerberatung 2020 stellt Kinderrechte in den Mittelpunkt

Weitreichende Reformen, um Kindern aus überschuldeten Haushalten gute Startbedingungen für die Zukunft zu ermöglichen, fordern die Mitarbeitenden der Sozialen Schuldnerberatung des Diakonisches Werks Diepholz – Syke-Hoya. „Kinder haben ein Recht auf eine von Schuldenproblemen unbelastete Kindheit und Jugend“, sagt Schuldnerberater Stefan Gövert anlässlich der laufenden Aktionswoche Schuldnerberatung vom 25. bis 29. Mai 2020. Unter dem Motto „Chancenlose Kinder? – Gutes Aufwachsen trotz Überschuldung!“ stellt die bundesweite Aktionswoche Schuldnerberatung der Wohlfahrts- und Fachverbände Kinderrechte in den Mittelpunkt.

In der aktuellen Corona-Krise ist dieses Motto aktueller denn je“, sagt Marlis Winkler, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Diepholz – Syke-Hoya. Familien seien in Zeiten, in denen ihre Kinder nicht in Kita oder Schule könnten, besonders gefordert, so Winkler. Lange Zeit hätten Spielplätze nicht genutzt werden können. Eine Situation die Familien besonders fordere und er könne nur höchsten Respekt zollen, wie viele Familien diese Situation bisher gemeistert hätten. Besonders hart treffe es aber dann Familien, wenn weitere besondere Probleme ihr Leben belasten.

Überschuldung ist eine besonders belastende Situation, die schon ohne die Einschränkungen durch Covid 19 herausfordernd ist“, sagt Marlis Winkler. „Kinder leiden in der jetzigen Situation doppelt“, so Winkler weiter. Kinder können es nicht einordnen, wenn ihre Eltern viel öfter gereizt sind, weil nicht genug Geld da ist. Sie sind Zeugen bei den häufigen Streitigkeiten und fragen sich nicht selten, ob sie selbst schuld daran sind. Und Geld für ihre Bedürfnisse ist meistens nicht da. Für Alleinerziehende ist die Situation oft noch schwieriger zu bewältigen. „Um den Kindern das Recht auf eine von Schuldenproblemen unbelastete Kindheit und Jugend zu gewährleisten und ihnen gute Startbedingungen für die Zukunft zu schaffen, bedarf es deutlicher Reformen“, sagt Winkler. Wenn auch das „Starke-Familien-Gesetz“ ein Anfang sei, um Familien mit niedrigem Einkommen zu unterstützen, sei ein bedarfsgerechter Ausbau familien- und sozialpolitischer Leistungen wie den Mindestunterhalt, den Regelsatz für Kinder und Jugendliche in Grundsicherung und der Sozialhilfe.

„Darüber hinaus müsste die Einführung einer eigenständigen Kindergrundsicherung umgesetzt werden“, fordert Winkler weiter.

Große Bedeutung müsse auch der finanziellen Allgemeinbildung zukommen. Und Präventionsarbeit sollte überall verankert werden. Kinder müssten früh lernen, mit Geld, Handy und Internet umzugehen.

Im Landkreis Diepholz kann die Schuldnerberatungsstelle des Diakonischen Werkes präventiv mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen arbeiten, da die Präventionsarbeit durch den Landkreis und die Fernsehlotterie gefördert wird. In vielen anderen Regionen gibt es aber leider keine Schuldenpräventionsarbeit, so Gövert.

In unserer Beratungsarbeit haben wir es immer wieder mit Rückforderungsbescheiden der Jobcenter an minderjährige Mitglieder einer Bedarfsgemeinschaft zu tun. Diese führen dazu, dass diese jungen Leute schon Schulden haben, wenn sie 18 Jahre alt werden“, beklagt Stefan Gövert. Er fordert das Recht auf schuldenfreies Erreichen der Volljährigkeit. Die Verschuldung von Minderjährigen gehöre im Sozialrecht vollständig abgeschafft.

Um ein gutes Aufwachsen von Kindern trotz Überschuldung der Eltern unterstützen zu können, halten die Mitarbeitenden der Sozialen Schuldnerberatung vor allen Dingen eine gute Beratung für notwendig. „Daher brauchen wir ein sozialrechtlich verankertes Recht auf Schuldnerberatung für alle“, sagt Marlis Winkler.