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Wenn das Geld nicht mehr ausreicht: Ein Schuldnerberater über Präventionsmaßnahmen

Was ist, wenn das eigene Geld nicht ausreicht? Und was, wenn dies schon in jungen Jahren der Fall ist? Schuldnerberater Stefan Gövert weiß Antworten und erklärt Eltern, was sie tun können.

Stuhr – Etwa sechs Millionen Menschen im Erwachsenenalter in Deutschland sind überschuldet. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Bei vielen beginnt der Einstieg in die Schuldenspirale aber schon in Jugendjahren, sagt Stefan Gövert von der Sozialen Schuldnerberatung des Diakonischen Werks Diepholz – Syke – Hoya. In einem kostenlosen Vortrag wird er am Mittwoch, 23. Februar, ab 19.30 Uhr in der Aula der Grundschule Stuhr-Brinkum mit interessierten Eltern über Schuldenprävention bei Jugendlichen sprechen.

Herr Gövert, Sie arbeiten seit 2014 als Schuldnerberater und Präventionsfachkraft. Welche Menschen kommen zu Ihnen?

Alle, die in finanziellen Schwierigkeiten sind. Aber auch junge Erwachsene in die Schuldnerberatung kommen regelmäßig. Wir geben Rat, erstellen mit ihnen einen Haushaltsplan und helfen ihnen aus der Überschuldungssituation heraus.

Ab wann sind Menschen überhaupt überschuldet?

Eine Verschuldung liegt vor, wenn jemand Schulden hat. Beispielsweise finanziert sich jemand ein Haus durch einen Kredit, den er auch für einige Jahre abbezahlt. Er ist zwar verschuldet, kann den Kredit aber noch tilgen. Kann er seine Schulden mit seinem Einkommen und Vermögen nicht mehr tilgen, liegt eine Überschuldung vor.

Und was sind Grunde dafür?

Laut dem Schuldner Atlas Deutschland 2021 lag die Überschuldungsquote der Erwachsenen unter 30 Jahren im vergangenen Jahr bei 6,98 Prozent. Die Hauptgründe für die Überschuldung dieser Personen waren laut den Daten des Statistischen Bundesamtes unter anderem Arbeitslosigkeit, eine Erkrankung oder die Trennung vom Partner.

Das sind Gründe, die eher im höheren Alter auftreten. Wieso ist die Verschuldung dann bereits in einem so jungen Alter ein Thema?

Grundlegend verschulden sich die meisten Menschen zwar erst im Erwachsenenalter, bei einigen beginnt es aber schon als junger Erwachsener in einem Alter von 18 Jahren. Ab da tritt die Geschäftsfähigkeit ein. Was während meiner Arbeit in der Schuldnerberatung häufiger angesprochen wird, sind früh abgeschlossene und teure Handyverträge. Das ist aber nur ein Beispiel von vielen. Manche ziehen früh in einen eigenen Haushalt und haben dann Probleme mit der Miete oder den Energiekosten. Junge Menschen haben auch weniger finanziellen Spielraum, da sie sich vielleicht noch in der Ausbildung befinden. Das muss man alles bedenken.

Was raten Sie diesen Menschen?

Selbst aktiv zu werden und zu uns zu kommen. Viele stecken bei einer Überschuldung den Kopf in den Sand, aber das macht alles nur noch schlimmer. Aber ein Hauptproblem ist, dass viele Jugendliche einfach nie gelernt haben, mit Geld umzugehen. Einigen wurde es einfach nie beigebracht. Da spielen dann natürlich die pädagogischen Fähigkeiten der Eltern eine große Rolle. Und Jugendliche, die diese elterliche Betreuung nicht haben, sind eher in Gefahr, sich später zu verschulden.

Welche Rolle spielen Eltern bei der Schuldenprävention? Was kann man als Elternteil vielleicht besser machen?

Die Eltern können viel vermitteln und den eigenen Kindern so einiges mit auf dem Weg geben. Was kann bei der ersten eigenen Wohnung schieflaufen und wie funktioniert die Nebenkostenabrechnung? Eltern können aber auch schon früher ansetzen. Wie geht man beispielsweise mit dem Taschengeld der Kinder um? Ich finde es wichtig, dass die Erziehungsberechtigten das Thema Geld mit ihren Kindern thematisieren und einen planvollen Umgang damit auch vorleben. Daneben sollten Eltern ihren Kindern Taschengeld zahlen, damit sie lernen, sich ein festes und begrenztes Budget einzuteilen. Bei der Schuldenprävention geht es auch darum, als Elternteil sein eigenes Verhalten zu reflektieren.

Was ist mit den Jugendlichen, die aus sozial schwierigen Verhältnissen kommen? Wie kann ihnen geholfen werden?

Ergänzend zum Elternhaus sollte eine finanzielle Grundbildung auch an den Schulen vermittelt werden. Zu dieser gehört meiner Meinung nach auch das Thema Schuldenprävention. Im Landkreis Diepholz bietet dies das Diakonische Werk an. Wir gehen in Schulen und arbeiten dort mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu diesen Themen, damit es später nicht zur Überschuldung kommt. Darum wird es auch in meinem Vortrag gehen. Zudem erzähle ich etwas zur Entwicklung einer eigenen Kompetenz gegenüber der eigenen Finanzsituation. Und natürlich werde ich einige Worte über die Tätigkeiten der Schuldnerberatung eingehen.

 

Quelle: Kreiszeitung

Den Originalartikel finden Sie auf der Website der Kreiszeitung.

 

Weitere Informationen zum Thema Soziale Schuldnerberatung und Schuldenprävention im Diakonischen Werk finden Sie HIER.

Für weitere Informationen melden Sie sich gerne bei uns!

Kontakt:

  
  
Diakonisches Werk Diepholz - Syke-Hoya
Stefan Gövert
Herrlichkeit 2, 28857 Syke
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Tel.: 04242 1687-14